Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.
Philosophie
Im Rahmen des Projektes „Rent a Bee“ können Bienenstöcke für Balkone, Dächer und Gärten über den Zeitraum von zwei Monaten angemietet werden. In dieser Zeit profitieren sowohl die Bienen, als auch die Umwelt von unserem Projekt. Gerade der urbane Raum bietet den Bienen durch die Blütenvielfalt in den Gärten, Balkonen und Parks ein umfassendes und breitgefächertes Nahrungsangebot – wie es teilweise in dem von landwirtschaftlichen Monokulturen und den oft dazugehörigen Pestiziden und Spritzmitteln geprägten ländlichen Raum kaum möglich ist. Eine Belastung des Honigs durch Abgase oder Schwermetalle ist nicht zu erwarten, denn diese gelangen nicht in den Blütenkelch, da er durch die Blüte geschützt ist.
Für unsere Kultur- und Landwirtschaft sowie für das gesamte Ökosystem hat die Honigbiene eine große Bedeutung. Umso dramatischer sind die Folgen des immer größer werdenden Bienenmangels. Dies belegt eine kürzlich von der Universität Reading publizierte Studie, welche den bestehenden Mangel an Honigbienen in Europa mit sieben Milliarden beziffert. Eine Folge davon ist, dass es in weiten Teilen Europas zu wenige Bienen für eine ausreichende Bestäubung von Pflanzen gibt. „Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir in der Zukunft eine Katastrophe erleben“, mahnt der Forschungsleiter Simon Potts.
Die europäische Honigbiene kann heute nicht mehr ohne Imker existieren – die natürlichen Nistmöglichkeiten sind nur spärlich vorhanden und die Bienen können die von außen eingeschleppte Varroamilbe nicht alleine bezwingen. Der Nachwuchs an Jungimkern ist gegenwärtig zu gering. Für die meisten Leute ist die traditionelle Nebenerwerbsimkerei nicht mehr zeitgemäß und für den Aufwand kaum lohnend. Aus dem Grund wurde das Projekt von der 23-jährigen Studentin Maria Bodner, die in einer Imkerfamilie in dritter Generation lebt, in die Welt gerufen. „Wir sind davon überzeugt, dass es viele Menschen gibt, die sich heute immer stärker mit der Natur verbunden fühlen, ein ausgeprägtes ökologisches Bewusstsein haben und gerne ein Bienenvolk halten würden – sofern dies nicht an so großen finanziellen und zeitlichen Aufwand gebunden wäre“, so Bodner.
Wir wollen den neuen Hobbyimkern diese Möglichkeit bieten. Vorkenntnisse sind für die Neuimker nicht nötig. Sie können sich einen leicht transportablen Bienenstock bei einer Sammelstelle abholen oder sich zustellen lassen. Die Voraussetzung ist ein stabiler, windgeschützter und vor Kindern und Haustieren sicherer Standplatz. Die Bienen fliegen von dort aus die Blüten in der Umgebung an, ohne sich am Balkon selbst aufzuhalten, wodurch eine Bestäubung der Pflanzen im Umfeld gesichert ist. Nach Ende des Mietzeitraumes bringen die Mieter den Bienenstock zurück oder lassen ihn wieder abholen. Fünf bis acht Kilogramm Honig haben die Bienen dann für sie gesammelt. Hier kann der Mieter zwischen normalem Honig oder urtümlichen Wabenhonig entscheiden. Der Honig kann auf Wunsch mithilfe einer Videoanleitung und einer erworbenen Ausrüstung selbst geerntet werden.
So kann jeder einerseits zur Rettung des Sympathieträgers Biene und zu einer flächendeckenden Bestäubung beitragen – und sich selbst mit selbstgeerntetem Honig belohnen.